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Murnau -
Der schräge Charme macht ihn aus: Er ist ein liebevoller Grantler, ein
warmherziges Unikum. Doch nicht jeder weiß sofort etwas anzufangen mit
Thomas Scharrers ureigener Art, wenn er im Murnauer Gewerbegebiet
DAS PORTRÄT
AM MONTAG
den „ReiseLaden" und die dort
untergebrachte Post-Agentur betritt. Manchen bringt Scharrer gleich mit
Sprüchen aus dem Konzept; doch die meisten begreifen schnell, dass hier
Individualität sowie Humor vorherrschen - und viel Wissen, vor allem in
den Bereichen Motorrad, Camping und Outdoor. Das eignete sich das
Original, das allzeit Pfeife raucht und Pferdeschwanz trägt, im Laufe
seines abwechslungsreichen Lebens an. „Von klein auf war ich dem
Camping-Bazillus verfallen", sagt der 51-Jährige. „Die Eltern schleppten
uns immer mit zum Zelten." Und seit er denken kann, gilt seine Passion dem
Motorradfahren.
Dieses Faible brachte ihm auch den Ruf
eines Experten |
ein. Durch reinen Zufall kam er 1993
nach Murnau, wo er sich seitdem „sauwohl" fühlt. „Früher war ich ständig
mit dem Motorrad, dem Boot und dem Zelt unterwegs", erzählt Scharrer, der
sich „als Holzarbeiter, Straßenzeichner, ja sogar als angehender Polizist
und Inhaber einer Büromöbel- und Computerfirma" durchs Leben schlug.
Die Trennung von seiner Frau und die „Scheidungs-depressionen" brachten
ihn zurück aufs Motorrad. „Eine Panne bei Füssen führte mich bei der
Ersatzteilsuche nach Westried", sagt Scharrer. „Dort wurde mir gesagt,
dass hier ein Laden frei wird - für mich der

Thomas Scharrer bringt nichts aus der
Ruhe. Foto: sp |
Auslöser, endlich mein Hobby zum Beruf
zu machen." Vor zwölf Jahren eröffnete er seinen „ReiseLaden" und lebt
seitdem in einem Zimmerchen unterm Dach. Ein Ort, der nach außen hin
chaotisch wirken mag, aber Ruhe und eine ganz persönliche Note ausstrahlt.
Bei Thomas Scharrer wird im Camping-, Motorrad-, Outdoor- und
Freizeitbereich jeder fündig, der anderswo aufgegeben hat. Aus irgendeiner
Ecke, aus irgendeiner Schachtel zaubert er immer hervor, was man gerade
sucht. „Ganz nebenbei" managt er die Post und schleift sämtliches
Schneidegerät. Und bei allem, was er angepackt, muss ein Hauch von
Romantik und Ruhe dabei sein, „sonst ist es nichts".
Wenn ihm Zeit bleibt, befasst sich das Original mit einer „ganz eigenen
Suche" nach Spiritualität, weitab von allem „Vorgekauten", fährt gern sein
Motorrad, liest, zeichnet und fotografiert.
Michaela Sperer |